Abbau der Grenzanlagen

Mit dem Fall der Mauer am 9. November ist das Schicksal der Grenzsperren in Berlin und entlang der innerdeutschen Grenze besiegelt. Bereits in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1989 werden in Berlin neue Grenzübergänge geschaffen und erste Teile der Mauer abgerissen. Ende Dezember 1989 beschließt die DDR-Regierung den Abriss aller Grenzanlagen.
In den kommenden Monaten werden die Sperranlagen an einigen Abschnitten in der Innenstadt, beispielsweise zwischen Brandenburger Tor und Friedrichstraße, abgebaut. Am 13. Juni 1990 beginnt dann der planmäßige Abriss aller noch bestehenden Grenzanlagen rings um West-Berlin. Zwei Wochen zuvor hatte die Regierung de Maizière die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion mit Wirkung zum 1. Juli 1990 beschlossen. Mit ihr entfallen in Berlin und an der innerdeutschen Grenze sämtliche Kontrollmaßnahmen zwischen beiden deutschen Staaten.
Die Beschleunigung des Wiedervereinigungsprozesses wirkt sich auch auf den Rückbau aus. Ist zunächst vorgesehen, die Mauer in Berlin bis zum Jahreswechsel 1990/1991 zu beseitigen, ordnet der Minister für Abrüstung und Verteidigung, Rainer Eppelmann, den Abbau bereits bis zum 1. Dezember 1990 an. Schon im November 1990 werden die letzten innerstädtischen Mauerreste entfernt. Der Abbau der Sperranlagen entlang der knapp 1.400 km innerdeutschen Grenze dauert hingegen bis Mitte der 1990er Jahre.
Die Grenztruppen der DDR, die jahrzehntelang streng über die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze gewacht haben, sind nun für den Abbau der Grenzanlagen zuständig. Die Aufgabe ist immens. Der Abriss betrifft nicht nur die vom Westen aus sichtbare vordere Grenzmauer, sondern auch alle Sperrelemente innerhalb des Grenzstreifen sowie die auf östlicher Seite stehende sogenannte Hinterlandmauer. Der Chef der DDR-Grenztruppen, Generalmajor Dieter Teichmann, unterrichtet den neuen Minister Rainer Eppelmann Ende April 1990 über den Umfang der geplanten Demontagearbeiten. Demnach müssen an der innerdeutschen Grenze:

  • 476 km vordere und 1.510 km hintere Sperrelemente einschließlich Zäune und Signalanlagen,
  • 716 Beobachtungstürme
  • sowie 845 km Sperrgräben

abgetragen werden. Dabei fallen nach Schätzungen der Grenztruppenführung rund 1,7 Mio. Tonnen Bauschutt an. Allein in Berlin werden 184 km Mauer, 154 km Grenzzaun, 144 km Signalanlagen und 87 km Sperrgräben entfernt.

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Wie hier in Untersuhl (Bezirk Erfurt) werden schon im Januar 1990 auf 250 km Länge die hinteren Signalzäune vollständig beseitigt. Nur die an der Grenzlinie befindlichen Anlagen bleiben vorerst noch bestehen. Der freiwerdende 500 Meter breite Schutzstreifen kann nun landwirtschaftlich genutzt werden.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0110-024, Fotograf: Heinz Hirndorf
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Nahe der Ortschaft Dassow (Kreis Grevesmühlen) wird ebenfalls im Januar 1990 mit dem Abbau von 3,2 km der Grenzmauer begonnen. In der Region ansässige Betriebe unterstützen die Abrissarbeiten. Die Betonelemente stehen anschließend der Gemeinde Selmsdorf und der Stadt Dassow zur Verfügung.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0122-020, Fotograf: Ralf Pätzold
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Im Februar 1990 beginnen die DDR-Grenztruppen zwischen Brandenburger Tor und Reichstagsufer mit der Demontage eines zwei Kilometer langen Teilstückes der Berliner Mauer bis zum Checkpoint Charlie. Die Arbeiten können nur nachts durchgeführt werden und dauern mehrere Wochen an.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0220-014, Fotograf: Hartmut Reiche
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Reste der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor bei Tag (Februar 1990). Deutlich zu erkennen: „Mauerspechte“ haben den symbolträchtigen Grenzwall bereits durchlöchert.

Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Rosemarie Gentges, Bild 238
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ie Grenztruppen erhalten logistische Unterstützung beim Abbau der Grenzsicherungsanlagen. Im Kreis Heiligenstadt (Bezirk Erfurt) sind im April 1990 auch Kräfte des Katastrophenschutzes, der Freiwilligen Feuerwehr der DDR sowie des Technischen Hilfswerkes aus Göttingen und Hann. Münden am Rückbau beteiligt.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0421-011, Fotograf: Jürgen Ludwig
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Zum Auftakt der Zwei-plus-Vier-Gespräche besuchen die Außenminister den Kontrollpunkt Checkpoint Charlie in Ost-Berlin, der am 22. Juni 1990 abgerissen wird. Zu einem Gruppenfoto vor dem in die Höhe schwebenden Wachgebäude haben sich eingefunden (v.r.): Tino Schwierzina, Eduard Schewardnadse, Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas, James Baker, Generalmajor Raymond E. Haddock, Willy Brandt, Vernon Walters, Douglas Hurd, Ingrid Stahmer, Markus Meckel.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0622-027, Fotograf: Peer Grimm
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Reste der Berliner Mauer und Grenzturm am Teltow-Kanal zwischen Neukölln und Treptow. Das Bild wurde am 3. August 1990 aufgenommen.

Bundesregierung/Reineke
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Abbau der Grenzanlagen in Berlin-Pankow im Juni 1990.

Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Leonore Schwarzer, Bild 134
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Dieses Stück Berliner Mauer an der Waldemarstraße ist Millionen Wert. Die mit Graffiti bemalten Betonsegmente werden abgebaut und gegen Devisen verkauft.

Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Rosemarie Gentges, Bild 10
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Grenzanlagen und Mauerreste im Bereich des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks an der Schwedter Strasse zwischen Prenzlauer Berg und Wedding in Ost-Berlin. Das Bild wurde am 3. August 1990 aufgenommen.

Bundesregierung/Reineke
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Grenzanlagen und Mauerreste an der Köpenicker Straße in Berlin-Kreuzberg. Im Hintergrund ist die St.-Thomas-Kirche zu sehen. Das Bild wurde am 3. August 1990 aufgenommen.

Bundesregierung/Reineke
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Wie hier in Untersuhl (Bezirk Erfurt) werden schon im Januar 1990 auf 250 km Länge die hinteren Signalzäune vollständig beseitigt. Nur die an der Grenzlinie befindlichen Anlagen bleiben vorerst noch bestehen. Der freiwerdende 500 Meter breite Schutzstreifen kann nun landwirtschaftlich genutzt werden.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0110-024, Fotograf: Heinz Hirndorf
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Nahe der Ortschaft Dassow (Kreis Grevesmühlen) wird ebenfalls im Januar 1990 mit dem Abbau von 3,2 km der Grenzmauer begonnen. In der Region ansässige Betriebe unterstützen die Abrissarbeiten. Die Betonelemente stehen anschließend der Gemeinde Selmsdorf und der Stadt Dassow zur Verfügung.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0122-020, Fotograf: Ralf Pätzold
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Im Februar 1990 beginnen die DDR-Grenztruppen zwischen Brandenburger Tor und Reichstagsufer mit der Demontage eines zwei Kilometer langen Teilstückes der Berliner Mauer bis zum Checkpoint Charlie. Die Arbeiten können nur nachts durchgeführt werden und dauern mehrere Wochen an.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0220-014, Fotograf: Hartmut Reiche
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Reste der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor bei Tag (Februar 1990). Deutlich zu erkennen: „Mauerspechte“ haben den symbolträchtigen Grenzwall bereits durchlöchert.

Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Rosemarie Gentges, Bild 238
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ie Grenztruppen erhalten logistische Unterstützung beim Abbau der Grenzsicherungsanlagen. Im Kreis Heiligenstadt (Bezirk Erfurt) sind im April 1990 auch Kräfte des Katastrophenschutzes, der Freiwilligen Feuerwehr der DDR sowie des Technischen Hilfswerkes aus Göttingen und Hann. Münden am Rückbau beteiligt.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0421-011, Fotograf: Jürgen Ludwig
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Zum Auftakt der Zwei-plus-Vier-Gespräche besuchen die Außenminister den Kontrollpunkt Checkpoint Charlie in Ost-Berlin, der am 22. Juni 1990 abgerissen wird. Zu einem Gruppenfoto vor dem in die Höhe schwebenden Wachgebäude haben sich eingefunden (v.r.): Tino Schwierzina, Eduard Schewardnadse, Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas, James Baker, Generalmajor Raymond E. Haddock, Willy Brandt, Vernon Walters, Douglas Hurd, Ingrid Stahmer, Markus Meckel.

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0622-027, Fotograf: Peer Grimm
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Reste der Berliner Mauer und Grenzturm am Teltow-Kanal zwischen Neukölln und Treptow. Das Bild wurde am 3. August 1990 aufgenommen.

Bundesregierung/Reineke
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Abbau der Grenzanlagen in Berlin-Pankow im Juni 1990.

Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Leonore Schwarzer, Bild 134
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Dieses Stück Berliner Mauer an der Waldemarstraße ist Millionen Wert. Die mit Graffiti bemalten Betonsegmente werden abgebaut und gegen Devisen verkauft.

Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Rosemarie Gentges, Bild 10
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Grenzanlagen und Mauerreste im Bereich des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks an der Schwedter Strasse zwischen Prenzlauer Berg und Wedding in Ost-Berlin. Das Bild wurde am 3. August 1990 aufgenommen.

Bundesregierung/Reineke
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Grenzanlagen und Mauerreste an der Köpenicker Straße in Berlin-Kreuzberg. Im Hintergrund ist die St.-Thomas-Kirche zu sehen. Das Bild wurde am 3. August 1990 aufgenommen.

Bundesregierung/Reineke
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Die Verwertung der demontierten Grenzanlagen wird in einem Befehl des Ministeriums für Abrüstung und Verteidigung Ende Juni 1990 geregelt. Die Grenztruppen sind ermächtigt, alle wiederverwertbaren Elemente zu verkaufen. Die Einnahmen sollen an den Staatshaushalt abgeführt werden. Der Erlös ist jedoch im Vergleich zu den horrenden Abrisskosten gering.

Berliner Mauer. Quelle: Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Uwe Gerig, Bild 5131
Mit Hammer und Meißel werden Stücke aus der Berliner Mauer geklopft. Quelle: Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Uwe Gerig, Bild 5131

Der Abbau der Grenzanlagen übersteigt die logistischen Ressourcen der Grenztruppen. Daher werden sie – mit Billigung des Ministeriums – seit Sommer 1990 durch die Streitkräfte der alliierten Schutzmächte und zahlreiche private Bauunternehmer aus Ost und West unterstützt. Auch die Bevölkerung hilft mit: Ausgerüstet mit Hammer und Meißel sichern sich viele „Mauerspechte“ in Berlin ihre ganz persönliche Erinnerung an den „antifaschistischen Schutzwall“. Im innerdeutschen Grenzgebiet sind ebenso zahlreiche Souvenirjäger unterwegs und nehmen Schilder, Hoheitszeichen, Stacheldraht und Stücke des Metallgitterzaunes mit nach Hause.

 

Fernsehsendung über den Abriss der Grenzanlagen am Brandenburger Tor.

Abendschau, 2. Februar 1990.

Die DDR-Fernsehsendung "Aktuelle Kamera" berichtet am 19. September 1990 von den Abrissarbeiten an der Berliner Mauer im Bereich Postdam.

Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv
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Hinweis

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