Staatssekretäre

Hans Geisler. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0425-329, Fotograf: Elke Schöps
Hans Geisler. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0425-329, Fotograf: Elke Schöps

Dr. Hans Geisler, geboren am 22. März 1940 in Lauban (Niederschlesien/heute Polen)
Parteizugehörigkeit:  DA/CDU
Funktion: Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Familie und Frauen

Hans Geisler wird im niederschlesischen Lauban geboren und wächst nach der Flucht seiner Familie im Februar 1945 in Sachsen auf. Er besucht zunächst die Grundschule in Niedercunnersdorf und danach die Oberschule in Löbau. Anschließend erlernt Geisler den Beruf des Färbers. 1960 nimmt er ein Chemiestudium an der Technischen Universität Dresden auf, das er 1965 mit dem Diplom abschließt. Daraufhin wird er wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem der Universität angegliederten Forschungsinstitut Meinsberg unter Prof. Kurt Schwabe, bei dem Geisler auch 1970 zum Dr. rer. nat. promoviert wird. Seit 1969 arbeitet Hans Geisler als Laborleiter, zunächst bis 1976 in der sportärztlichen Hauptberatungsstelle Leipzig, und von 1976 bis 1990 im Diakonissenkrankenhaus Dresden. Parallel dazu engagiert sich Geisler seit Mitte der 1970er Jahre auf vielfältige Weise in der evangelischen Kirche. Er ist von 1975 bis 1987 Mitglied des Präsidiums des Evangelischen Kirchentages und von 1978 bis 1984 Mitglied der Landessynode in Sachsen. Außerdem gehört er zwischen 1975 und 1986 dem Facharbeitskreis Ökumenische Diakonie und der Arbeitsgruppe für Gemeindekontakte zu niederländischen Gemeinden beim Bund Evangelischer Kirchen an. Seit 1983 ist Geisler Mitorganisator von Friedensgebeten in Dresdner Kirchgemeinden.

Das politische Engagement von Hans Geisler beginnt während der Friedlichen Revolution im Oktober 1989 mit der Mitgliedschaft in der Bürgerbewegung Neues Forum. Ab November 1989 baut er den Demokratischen Aufbruch (DA) mit auf, in dessen Vorstand er für den Raum Ostsachsen (Dresden) gewählt wird und den er bis März 1990 am Runden Tisch Dresden vertritt. Mit den Volkskammerwahlen zieht Hans Geisler für die CDU/DA-Fraktion ins erste frei gewählte Parlament der DDR ein. Im Mai übernimmt er das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Ministerium für Familie und Frauen. Mit der Vereinigung von Demokratischem Aufbruch und der Ost-CDU im August 1990 wird Geisler CDU-Mitglied.

Mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands wird Geisler Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er bis Februar 1991 angehört. Nach den ersten Landtagswahlen in den neuen Bundesländern am 14. Oktober 1990 übernimmt er im November 1990 das Amt des Staatsministers für Soziales, Gesundheit und Familie in Sachsen, das er bis 2002 führt. Zusätzlich ist Hans Geisler zwischen 1994 und 2002 Mitglied des sächsischen Landtags für die CDU-Fraktion und von August 1995 bis Mai 2002 auch stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett von Kurt Biedenkopf. Nach dem Rücktritt von Kurt Biedenkopf zieht sich auch Hans Geisler aus der Politik zurück. Er engagiert sich weiterhin in verschiedenen Gremien der Evangelischen Kirche und hat mehrere Ämter in Aufsichts- und Stiftungsräten inne. Von 2006 bis 2013 gehört er dem Rat für Nachhaltige Entwicklung an, der die Bundesregierung berät. Heute ist Hans Geisler u.a. Ehrenvorsitzender des CDU-Stadtverbandes Radeberg.

Helga Kreft, geboren am 6. April 1942 in Kyritz
Parteizugehörigkeit: CDU
Funktion: Staatssekretärin im Ministerium für Familie und Frauen

Helga Kreft wächst im mecklenburgischen Kyritz auf und beendet die Oberschule 1960 mit dem Abitur. Danach beginnt sie zunächst eine Facharbeiterausbildung im Chemiefaserwerk Premnitz, bevor sie 1962 ein Chemiestudium an der Universität Rostock aufnimmt. Nach dem Abschluss als Diplomchemikerin und dem Eintritt in die Blockpartei CDU 1967 übernimmt Helga Kreft die Abteilungsleitung der wissenschaftlich-technischen Information im Bereich Forschung des Chemiefaserwerkes Premnitz, die sie bis 1975 innehat. In dieser Zeit absolviert Kreft parallel dazu von 1968 bis 1970 ein Postgradualstudium an der Technischen Hochschule Ilmenau im Fachgebiet Informationstechnik. Anschließend besucht sie 1971 einen Lehrgang in EDV-Organisationstechnik beim Kombinat Robotron in Leipzig.
Von 1976 bis 1977 arbeitet Helga Kreft im Wirtschaftsrat in Neustrelitz (Bezirk Neubrandenburg) im Bereich EDV/Information-Dokumentation. Danach wechselt sie als wissenschaftliche Assistentin zum Bezirkshygieneinstitut Neustrelitz. Bei der Akademie für Fortbildung absolviert Kreft zwischen 1982 und 1986 ein weiteres Postgradualstudium mit dem Abschluss als Fachchemikerin im medizinischen Dienst (Bereich Lebensmittelhygiene). Zwischen 1987 und 1990 ist sie als Bereichsleiterin in der Kreishygieneinspektion Berlin-Marzahn beschäftigt.

In den 1970er Jahren beginnt Helga Kreft, sich verstärkt in der Kirchenarbeit zu engagieren. In Neustrelitz wird sie 1978 in den Kirchgemeinderat und 1980 in den Kirchenkreisrat gewählt. Von 1980 bis 1987 ist sie zugleich Kreisvorsitzende der CDU im Kreis Neustrelitz. Zwischen 1982 und 1989 ist sie außerdem Mitglied des Hauptvorstandes der CDU.

Im Mai 1990 wird Helga Kreft als Staatssekretärin ins Ministerium für Familie und Frauen berufen. Nach der Vereinigung wird sie ins Bundesministerium für Familie und Senioren in Bonn übernommen, wo sie zunächst als Unterabteilungsleiterin für Grundsatzfragen der Familienpolitik zuständig ist und später als Leiterin des Referats „Menschen mit Behinderungen“ arbeitet.

Beauftragte für die Gleichstellung von Frauen und Männern

Dr. Marina Beyer (heute: Grasse), geboren am 19. Januar 1950 in Berlin
Parteizugehörigkeit:  unbekannt
Funktion: Beauftragte der Regierung für die Gleichstellung von Mann und Frau im Range einer Staatssekretärin (Mai bis Oktober 1990)

Marina Beyer wird 1950 in Berlin geboren. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Biologiestudiums arbeitet sie bis 1990 als Verhaltensbiologin in verschiedenen Einrichtungen, unter anderem an der Akademie der Wissenschaften, der Charité und der Berliner Humboldt-Universität. Im Jahr 1981 gehört Marina Beyer zu den Gründerinnen des Pankower Friedenskreises, dem sie auch im vereinten Deutschland aktiv verbunden bleibt. Während des gesellschaftlichen Umbruchs im Herbst 1989 verstärkt sie ihr politisches Engagement und nimmt an den Verhandlungen am Runden Tisch in Berlin teil. In der neuen Regierung unter Ministerpräsident Lothar de Maizière wird Marina Beyer am 16. Mai 1990 auf Vorschlag der SPD zur Beauftragten beim Ministerrat für die Gleichstellung von Frauen und Männern berufen. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober wird ihr Arbeitsstab aufgelöst. Nach einer kurzen Phase der Arbeitslosigkeit gründet Marina Beyer 1992 mit anderen politisch aktiven Frauen das Ost-West-Europäische Frauennetzwerk (OWEN e.V.), in dem sie bis heute arbeitet. Zwischen 1998 und 2003 ist sie zudem im Vorstand der Stiftung „Nord-Süd-Brücken“ tätig. Für ihr frauenpolitisches Engagement wird sie 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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